Mobilität in der Zukunft

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4 Jahre 7 Monate her - 2 Jahre 8 Monate her #1 von Walter Gollhardt
Mobilität in der Zukunft wurde erstellt von Walter Gollhardt
Mobilität in der Zukunft?

Die Automobilhersteller behaupten immer, und da lassen sie auch nicht nach, daß ihr Produkt nur eines unter vielen für unser Klima schädliches sei.
Und da haben sie, entgegen des Endruckes, den man bei der Lektüre der unterschiedlichsten Medien gewinnen kann, sogar größtenteils recht.

Ca. achtzehn Prozent der Kohlendioxydemissionen kommen vom Straßenverkehr, so zeigen es jedenfalls die Studien der Internationalen Energie Agentur, IEA.
Alle Kraftwerke sind am Aufkommen dieser Emissionen mit ca. 36 Prozent beteiligt.
Nun muß man sehen, daß es seitens der Stromwirtschaft große Anstrengungen und damit auch Verbesserungen hinsichtlich der Emissionen gegeben hat und nach wie vor gibt.
Hinsichtlich der Automobilwirtschaft gibt es unübersehbare Tendenzen zu einer Verschlechterung, und schuld daran ist die einseitige Verteufelung des Dieselmotors, die zu einer spürbaren Zurückhaltung potentielle Autokäufer geführt hat. Da entscheiden sich viele für einen sog. „Benziner“, was allerdings zu einem Anstieg des Durchschnittsverbrauchs und damit zu einem erneuten Anstieg der Emissionen geführt hat.

Es ist schon paradox, denn nun fehlen viele der sparsameren und effektiveren Diesel auf unseren Straßen, die die Gesamtklimabilanz positiv beeinflussen könnten.
Diejenigen, die sich von zunehmender Elektromobilität erhofft hatten, daß es nun weniger Treibhausgase und Stickoxyde geben würde, werden vom Gutachten der IEA enttäuscht sein, denn die vielgepriesene Elektromobilität wird in den kommenden Jahren nur eine untergeordnete Rolle bei der Senkung der Emissionen spielen können.
Das Gutachten sieht zur Enttäuschung vieler Elektro-Enthusiasten ganz offensichtlich die ganze Entwicklung wesentlich näher an den Realitäten.

Der durchschnittliche PKW läuft von der Herstellung bis zur Schrottpresse ca. fünfzehn Jahre auf der Straße, d. h. die aktuelle Neuwagenproduktion wird bis nach 2030 unterwegs sein.
Und es werden zu weit über 90 Prozent Fahrzeuge sein, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden.
Erst danach werden in großem Umfang alternative und umweltschonende Antriebe zur Verfügung stehen, wobei aus meiner Sicht der Elektromotor einer unter mehreren Möglichkeiten sein wird.
Eine spürbare Verbesserung der weltweiten Klimabilanz wird es aber nur dann geben, wenn global gesehen z. B. alle Kohlekraftwerke vom Netz gehen.
Insofern halte ich den Weg den China oder Indien gehen, indem sie zwar die Elektromobilität staatlicherseits zumindest mit über zehn Prozent Anteil am Gesamtaufkommen vorschreiben wollen, aber weiterhin ihren Strom zu fast dreiviertel aus alten Kohlekraftwerken gewinnen, für falsch!

Der Gewinn von sog. Biokraftstoffen als Alternative zum Mineralöl ist zwar recht erfolgreich, wird aber wohl kaum über die jetzigen fünf Prozent Marktanteil hinauskommen können, da einmal die Anbauflächen nicht zur Verfügung stehen, und es ethisch kaum vertretbar ist, knappe Nahrungsmittel für den Antrieb unserer PKW zu nutzen, statt damit den grassierenden Hunger in vielen Regionen weltweit zu stillen.

So schlägt nun die IEA alternativ vor, sog. „Fortschrittliche Bio-Kraftstoffe“ aus Reststoffen oder Abfällen zu gewinnen.
Leider sind einige hoffnungsvolle Ansätze, die ähnlich dem deutschen Verfahren der Kohleverflüssigung aus den vierziger Jahren des zwanzigsten Jhdt. funktionieren sollten, inzwischen als zu störanfällig gescheitert.
Ein anderer Ansatz, der z. B. Stroh zu Methan vergärt, mit dem man PKW-Motoren antreiben kann, wird sich wohl ebenfalls nicht durchsetzen. PKW mit diesem Antrieb sind bisher Exoten geblieben.
Doch nun sind die Wissenschaftler auf dem Weg zur sog. dritten Generation der synthetischen Kraftstoffe ein gutes Stück vorangekommen.
Hier wird man nun die Bezeichnung „Bio“ nicht mehr verwenden, denn es werden keine organischen Stoffe zur Herstellung mehr verwendet, sondern ausschließlich laienhaft ausgedrückt eine Mischung aus Wasser und Luft.

Die Grundstoffe aller fossilen Kraftstoffe sind Kohlenstoff und Wasserstoff.
Beide sind in unserer Umgebungsluft und im Wasser enthalten.
Die Möglichkeit, beide Stoffe zu einem brennbaren Molekül zusammenzuführen, ist seit längerem bekannt.
Der Nachteil ist, man benötigt für diesen Prozeß sehr viel elektrische Energie.
Nutzt man dafür allerdings sog. Ökostrom aus Windkraft oder aus Photovoltaikanlagen, dann produziert man diesen Kraftstoff klimaneutral.

Power-to-Liquid, „PtL“ nennt man den Prozeß zur Herstellung dieses zukünftigen Kraftstoffes.
Mittels Öko-Strom wird zunächst aus Wasser Wasserstoff gewonnen, und dieser dann mit dem Kohlendioxyd aus der Luft zu einem handhabbaren Flüssigkraftstoff vereinigt.
Dafür ist allerdings noch einiges an Forschungs- und Entwicklungsarbeit nötig.
Eine der größten Schwächen dieses Kraftstoffes ist z. Zt. noch der niedrige Wirkungsgrad, denn nur die Hälfte der zu seiner Gewinnung eingesetzten Energiemenge steckt im späteren Kraftstoff, und im Motor kommen z. Zt. nur ca. 20 Prozent an.
Da ist natürlich jeder Elektroantrieb wesentlich effizienter, allerdings eignet sich ein Akkuantrieb nur für kürzere Strecken. Ein Flugzeug oder auch ein Containerfrachter sind mit Akkus nicht sinnvoll zu betreiben!

Toyota favorisiert noch eine andere Variante des PtL.
Dabei verzichten die Japaner auf die Vermischung von Wasserstoff mit dem Kohlenstoff.
Sie verwenden lediglich Wasserstoff. Dieses Gas ist einfacher herzustellen, und es kann mit einem guten Wirkungsgrad in sog. Brennstoffzellenautos eingesetzt werden.
Probleme bereiten hier die Speicher- und die Transportfähigkeit des gasförmigen Kraftstoffes.
Es müßte eine völlig neue Infrastruktur geschaffen werden, die für alle anderen flüssigen Kraftstoffe aber bereits vorhanden ist.
Grundsätzlich funktionieren nach den Gesetzen des Marktes die alternativen Kraftstoffe nur dann, wenn der Ökostrom massenhaft verfügbar und dann entsprechen billig sein wird.

Alle diese Ideen und die möglichen Entwicklungen auf dem Energiesektor und unsere Mobilität werden erst einmal Zukunftsmusik bleiben, wenn wir Deutschen unser individuelles Mobilitätsverhalten nur geringfügig verändern würden.
Z. B. wie die Holländer für kürzere Strecken öfter das Fahrrad benutzen würden, oder wie die Menschen in der Schweiz häufiger für längere Strecken oder auf dem Weg zur Arbeit die Eisenbahn.
Kluge Köpfe haben errechnet, daß diese Verhaltensänderung den Kohlendioxydausstoß um bis zu sieben Prozent verringern könnte, also mehr, als z. Zt. durch die Verwendung von Bio-Kraftstoff erreicht wird.
Letzte Änderung: 2 Jahre 8 Monate her von Walter Gollhardt.
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