Begegnung mit unheimlichen Komodo-Waranen

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11 Monate 1 Woche her - 10 Monate 1 Woche her #1 von Inge Nölke
Begegnung mit unheimlichen Komodo-Waranen wurde erstellt von Inge Nölke
Begegnung mit unheimlichen Komodowaranen

Vor einiger Zeit waren wir mal wieder auf Kreuzfahrt. Von Singapur aus ging die Tour über Brunei, Malaysia und Sulawesi nach Indonesien.
Später fuhren wir weiter nach Australien und durch die Südsee, aber das sind separate Storys.

Im Fernsehen hatte ich einen Bericht über die einzigartigen, aber echt unheimlichen Komodowarane gesehen. Diese Tiere erschienen mir ziemlich abstoßend, aber trotzdem sehenswert. Tatsächlich hatte ich auch nicht  damit gerechnet, dass mein Mann ebenfalls an dem Ausflug auf die urige Insel interessiert wäre.

Im TV hatte es so ausgesehen, als würden die relativ großen, starken Urviecher aus sicherer Entfernung gefilmt. Zudem meinte ich, es wäre zu gefährlich, Touristen in die Nähe der Tiere zu lassen. Deshalb war ich blauäugig davon ausgegangen, wir könnten die Warane von einer geschützten, erhöhten Plattform aus beobachten.

Als die Tenderboote des Schiffes uns an dem primitiven Holzsteg auf Komodo abgeladen hatten, war nicht nur ich entsetzt, denn unweit lief am Strand eines der riesigen Viecher mit erheblichem Tempo herum. Es wurde von Einheimischen mit Stöcken verjagt. Sehr vertrauenerweckend sah das nicht aus. Im Zweifelsfall konnte man dem Tier wohl kaum entkommen.
 

Hätte ich mich auf dem Anlegesteg sicher gefühlt, wäre ich womöglich nicht weitergegangen. Da dies aber keineswegs so war, sind wir alle einem offenen Gebäude zugeströmt, welches etwas Geborgenheit vorgaukelte.

Als Erstes wurden wir von hier wieder vertrieben, weil sich dort ein kleiner Waran, höchstens einen guten Meter lang, verkrochen hatte. Wehrlos oder gar harmlos sah das  "Tierchen" auf keinen Fall aus. Man verjagte es einfach.
Nachdem wir auf dem zu allen Seiten offenen Hof nun hoffentlich ungefährdet waren, erhielten wir Instruktionen und Verhaltensregeln für den Ernstfall, die sich weder beruhigend noch erfreulich oder gar sicher anhörten. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass hier schon viele Touristen waren und ich noch nie etwas von Unfällen mit Waranen gehört hatte. Dazu meinte mein Mann, wir brauchten uns keine Sorgen zu machen, wenn die großen, kräftigen Warane die schmalen Stöcke unserer Beschützer bemerken, würden sie sich totlachen und wir wären gerettet. Genau danach sah es aus.
Dann bekam jeder eine Flasche Wasser und wir spazierten ab in den Dschungel.

Ziemlich zu Beginn versperrte uns ein großer Waran den Weg und wir mussten ihn durch die Büsche umgehen. Der Pfad wand sich immer schmaler durch das Gestrüpp. Es wurde kaum gesprochen. Jeder hing seinen wenig beruhigenden Gedanken nach, wie sich später herausstellte. Unsere kleine Gruppe war sehr diszipliniert. Deswegen sahen wir auch verhältnismäßig viele Tiere: Rehe, Wildschweine, Kakadus und eine Menge Warane.
Uns wurde unter anderem erklärt, dass die kleinen Warane oben in den Bäumen leben, weil sie sonst von ihren größeren Artgenossen gefressen würden. Sie sind also Kannibalen.
So mussten wir nicht nur entlang des unübersichtlichen Weges darauf achten, keinem Tier nahezukommen, sondern auch über unseren Köpfen. Kein angenehmes Unterfangen.
 

Die Einheimischen teilten uns weiter mit, dass Warane schlecht sehen können. Daher würden sie unsere Gruppe als ein großes Tier wahrnehmen, wenn wir zusammenbleiben. Es wäre sehr gefährlich, sich von der Gruppe zu entfernen. So folgte der Bericht über einen Schweizer, der nur kurz in die Büsche wollte, um sich zu erleichtern und dann von einem Waran in den Bauch gebissen wurde.
Ungeachtet dessen marschierten wir tapfer weiter, ständig die Umgebung prüfend im Blick.
Ab und zu liefen Warane ziemlich behände durch die Vegetation.
Vor allem die Weibchen könnten schnell laufen, sagte man uns.

Unterwegs erhielten wir Informationen über Gewürze und andere interessante Pflanzen. Trotzdem war ich ständig wachsam und beobachtete nervös die Umgebung, soweit das durch den Bewuchs möglich war.
Einesteils war ich happy, so viel zu sehen und zu erleben, andererseits war mir die Spannung schon fast wieder zu viel.

Dann kamen wir an ein Sumpfloch, wo sich zwei riesige Warane befanden.
Seitlich liefen noch zwei kleinere, vielleicht nur zwei Meter lang, jeweils. (Ich kann schlecht schätzen.)
Die beiden zuerst erwähnten Rieseviecher sahen extrem unappetitlich und abstoßend aus. Sie bewegten sich langsam und schwerfällig. Ekligen Speichel hing an ihren Mäulern. Ihr Biss wäre mit unzähligen Bakterien behaftet, dass man schon allein dadurch elendig sterben würde, hörten wir zur "Aufmunterung". Nun ja, ich hatte ohnehin nicht vor, hier noch lange zu bleiben.

Als wir zurück zum Touristencenter gingen, rannte uns ein Waranen-Weibchen über den Weg. Es tat mir leid, weil man uns über das ungewöhnliche Paarungsverhalten der Tiere aufgeklärt hatte.
​Von so hässlichen, unappetitlichen Männchen mit schlechten Manieren würde sich wohl niemand gerne begatten lassen. Kein Wunder, wenn die sich mit einem zweiten Penis mit Widerhaken im After einklinken müssen, um die Weibchen festzuhalten. Das klingt wenig verlockend. Deswegen ging das Weibchen auch wohl vorsichtshalber laufen.

Wir sahen uns noch nach Souvenirs um und sind dann mit dem Tenderboot zurück aufs Schiff gefahren.
Hier musste ich zunächst die Rückkehr in die Zivilisation genießen und mich an den schönen Dingen des Lebens erfreuen, um unangenehme Gedanken zu vertreiben.

Beim Abendessen hat sich dann herausgestellt, dass wir tatsächlich sehr viel gesehen haben. Andere Gruppen hatten nicht so viel Glück. Manche waren enttäuscht.

Unser Ausflug war auf jeden Fall sehr interessant, wenn auch nicht immer angenehm. Im Nachhinein möchte ich aber keines der Erlebnisse missen.

 
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Letzte Änderung: 10 Monate 1 Woche her von Inge Nölke.
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