Fortsetzung!!

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4 Monate 2 Wochen her #1 von Walter Gollhardt
Fortsetzung!! wurde erstellt von Walter Gollhardt
Ich empfinde diesen Zustand, und das Verschwinden dieses unbeschreiblichen Gefühls in der Tat als einen großen Verlust. Aber ich glaube, daß man dieses Gefühl eben nur als junger Mensch haben und dann eben auch unbelastet durch viele Lebenserfahrungen genießen kann.

Hinter dem Brenner ging es hinein ins Tessin, oder das Ticino wie die Italiener es nennen. Mit seinen vielen Seen, dem Luganer See, dem Orta See, um nur diese zwei zu nennen.
Der Beginn des Landes wo die Zitronenbäume blühen, und gleichzeitig reife Früchte tragen.
Und dann weiter in Richtung Garda-See. Ein weiteres Ziel Goethes auf seiner Italienischen Reise.
In Limone finden wir eine der berühmten „Limonaias“, ein überdachter Zitronenhain, an einem Steilhang hoch über dem See, von denen es nur noch wenige gibt, denn es lohnt sich nicht mehr, so daß die meisten verfallen. Überdacht deshalb, da die empfindlichen Pflanzen vor möglichen winterlichen Nachtfrösten und kalten Winden geschützt werden müssen. Und natürlich trinken wir im Ort einen „Limoncello“, ein köstlich duftender und wohlschmeckender Likör.
Schon Goethe hat die Zitronengärten am Gardasee mit dem Gedicht “Mignon” besungen, auch Joseph von Eichendorff beschreibt in seinem Roman “Aus dem Leben eines Taugenichts” Italien, wo die Pomeranzen wachsen.
Die Italiener sind teilweise sehr gastfreundlich, aber auch uns Deutschen gegenüber mitunter reserviert.
Sprachlich kommen wir ganz gut zurecht, denn der oft recht widerwillig genossene Lateinunterricht in der Schule, dem „Kleinen Latinum“ sei Dank, bietet doch viele Möglichkeiten Worte abzuleiten und dann auch zu verstehen.
Die teilweise zeitungsgroßen Lirescheine machen da, was das Verstauen anbelangt, schon größere Probleme.
Noch größere Probleme macht uns aber die zunehmende Ebbe in unserer von Beginn an eher schmalen Reisekasse.
Wir müssen dringend eine Arbeit finden, egal was, um unsere finanzielle Lage aufzubessern.
Und unser Käfer macht ebenfalls Probleme, denn plötzlich aus heiterem Himmel kann unser Fahrer das Gaspedal voll durchtreten, ohne daß sich etwas tut.
Tja, da wird wohl der Gaszug gerissen sein, eine Sache, auf die wir zum Glück gut vorbereitet sind. Ersatz haben wir dabei, und das Wechseln des Übeltäters bereitet uns daher auch keine Schwierigkeiten. Daß dieser Panne wenige Tage später ein gerissenes Kupplungsseil folgen sollte, konnten wir natürlich nicht wissen. Aber auch dieses Problem haben wir erfolgreich gelöst.

Wir kommen nun in die Po-Ebene, bekannt aus den Filmen nach den Romanen von Giovanni Guareschi: Don Camillo und Peppone!
Der unvergeßliche Fernandel in seiner Paraderolle als Don Camillo.
Die Po-Ebene ist tellerflach, und es gibt kleine Orte mit ellenlangen Namen auf den Ortsschildern!
Z. B. Casalpusterlengo, ganz schön lang, für so einen kleinen Ort.
Und wir fahren an großen Reisfelder vorbei, und dies in Italien, sehen Frauen mit Strohhüten auf dem Kopf, die bis zu den Hüften in den gefluteten Feldern stehen. Sicherlich keine angenehme Arbeit, und uns fällt der berühmte Film: Bitterer Reis, mit Anna Magnani in der Hauptrolle ein.

Und wir haben Glück, denn ein Bauer erlaubt uns, auf dem Gelände seines Hofes zu campieren, gegen Mithilfe in seiner Landwirtschaft, bei kostenloser Verpflegung, und einer wenn auch geringen Bezahlung am Schluß. Immerhin!
Er hatte während des Zweiten Weltkrieges einige Zeit in Deutschland verbracht, wohl positive Erinnerungen daran, und er sprach auch ein ganz passables, eher lustiges Deutsch, da die Italiener die Angewohnheit haben, an viele Endungen gerne ein „e“ anzuhängen.
In der gleißenden Sonne auf den Feldern zu arbeiten, sehr ungewohnt für uns, und wir haben gelernt, wie wichtig eine Kopfbedeckung und eine gefüllte Wasserflasche dabei sind.
Entschädigt haben uns die gemeinsamen einfachen, aber immer wohlschmeckenden Mahlzeiten mit der großen Familie unter dem schattenspendenden Baum im Innenhof. Zum Essen gab es immer mit Wasser verdünnten Rotwein.
Wir gehörten zur Familie einfach wie selbstverständlich dazu!
Nach acht Tagen haben wir uns dann verabschiedet, und noch lange an diese Zeit und die so selbstverständlich gastfreundlichen Menschen dort gedacht.

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