Die Reiseweltmeister

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1 Jahr 1 Monat her #1 von Walter Gollhardt
Die Reiseweltmeister wurde erstellt von Walter Gollhardt
Reiseweltmeister?? Ein Auslaufmodell?

Es ist wohl an der Zeit, sich von einigen Vorstellungen, oder sollte ich besser Klischees sagen zu verabschieden.
Z. B. die Sache mit der „Neuen Solidarität“ im Lande, die Covid 19 angeblich geschaffen habe.

Aber zuerst möchte ich mich mit, schließlich sind wir Deutschen ja seit Jahren die amtierenden Reiseweltmeister, mit der erzwungenermaßen neuen Realität was unsere Art zu reisen anbelangt beschäftigen.

Urlaub bedeutet u. A. die Erlaubnis fortzugehen, allerdings heißt das in den nächsten Wochen und Monaten oder auch Jahren eben auch, daß wir nun gemessen an den Zeiten vorher nicht allzuweit fortgehen können, denn Fernreisen ins große Unbekannte wird es wohl so schnell, und in der alten Form nicht wieder geben.
Wir erinnern uns an die großangelegte Rückholaktion der Bundesregierung, die ein paar hunderttausend gestrandete Fernreisende Anfang des Jahres mit Charterflugzeugen weltweit nach Deutschland zurückholen mußte. So eine Aktion wird es nun per Regierungsansage nicht wieder geben!!

Also warum nun nicht einmal einen (wohlverdienten) Urlaub im eigenen Land, auf dem Balkon oder im eigenen Garten verbringen, da liegen doch einige Vorteile quasi auf der Hand, sieht man mal vom geringen Prestigewert ab.
Man tut etwas für die persönliche Klimabilanz, erspart sich lange, strapaziöse Anreisewege, vermeidet Sprachprobleme, und wichtig, man schont die möglicherweise durch Kurzarbeit leerere Haushaltskasse, denn Zukunftsängste und Sorgen um den Arbeitsplatz lassen kaum Urlaubsstimmung aufkommen.
Die Veränderungen des Weltklimas beeinflussen ja schon länger, und nun zusätzlich Covid 19 unser Reiseverhalten, denn auch bei uns ist es inzwischen im Sommer sehr warm, oft unerträglich heiß, da muß man nicht unbedingt dahin reisen, wo es noch wärmer, und zu allem Überfluß auch noch teuer und gerammelt voll ist.
Die häufig in Gesprächen gestellte Frage: Und wo geht es bei Euch in diesem Jahr hin“? verliert aktuell immer mehr an Bedeutung, ja sie verspricht mangels geeigneter Fernziele auch keinen Prestigegewinn mehr. Mal eben nach Dubai jetten, oder in die Karibik, aus und vorbei, für längere Zeit jedenfalls. Auch die beliebten Kreuzfahrten zählen wohl zu den großen Verlierern, denn wer will schon riskieren, wochenlang unfreiwillig in Quarantäne auf einem dieser Riesenschiffe ausharren zu müssen.

Schließlich muß man sich auch die Frage stellen, wie sich das erhoffte „Urlaubsfeeling“ angesichts der Beschränkungen einstellen soll, die am Urlaubsort auf einen warten. Limitierte Zugänge zum Strand, in der Badelandschaft, im Restaurant, bei Ausflügen usw.
Ich gehöre der Generation an, für die Urlaub allenfalls am heimischen Baggersee stattfand, bzw. zu Hause. Urlaub war morgens ausschlafen, und den Tagesablauf weitgehend selber gestalten zu können.
Dann begannen die noch sehr seltenen Reisen im eigenen PKW ins Sehnsuchtsland Italien der Deutschen, nämlich an den Gardasee, oder an die Adria nach Rimini. Der Duft nach „Nivea-Sonnenöl und Kinderpipi“ am Strand gehörte einfach dazu.
Die Möglichkeit, daß Reisen wieder zu einem Luxusgut werden könnte, besteht nun immerhin. Und für die Masse der Weltbevölkerung ist Reisen zum Vergnügen sowieso unvorstellbar.
Immerhin hat die weltweite Digitalisierung durch Covid 19 einen zusätzlichen Kick bekommen.
Videokonferenzen, digitale Städtereisen und Museumsbesuche sind inzwischen problemlos möglich, daheim in den eigenen vier Wänden kann man durch die Sixtinische Kapelle, über den Roten Platz, quasi durch alle touristischen Highlights dieser Erde spazieren, sich dabei ein Bier aus dem heimischen Kühlschrank nehmen, und sich gedanklich und optisch an alle diese Punkte auf der Erde versetzen, einfach so.
Zukunftsmusik? Möglicherweise, aber evtl. ein Teil der sich nun herausbildenden virtuellen Realität.

Doch nun zu der sich von manchen erhofften „Neuen Solidarität“ in Deutschland, befördert durch Covid 19.
Das weitgehend disziplinierte Verhalten der Deutschen in den letzten Wochen hat unser Land bisher besser durch die „Corona-Zeiten“ kommen lassen als die meisten anderen Länder.
Leider war es weit weniger ein Akt der Solidarität und der Nächstenliebe gegenüber den besonders gefährdeten Alten und den durch Vorerkrankungen geschwächten in allen Altersgruppen.
Es war in weiten Teilen der Bevölkerung die nackte Angst vor „Italienischen Verhältnissen“, mit Särgen vor Altenheimen und Krankenhäusern, vor möglichen Ansteckungen, dem möglichen Kollaps des Gesundheitssystems, vor einer unbekannten und nicht faßbaren Bedrohung.
Kaum werden nun langsam Ein- und Beschränkungen gelockert, werden von Vielen die notwendigen Maßnahmen in Frage gestellt.
Auf sog. „Hygiene Demos“ wird offen darüber schwadroniert, ob der Preis dafür nicht zu hoch sei, der nun gezahlt werden müsse, damit man ein paar Menschen gerettet habe. Auch ein prominenter Politiker der Grünen stellte die Frage, ob man denn wie geschehen Menschen retten müsse, die möglicherweise ein halbes Jahr später sowieso gestorben wären.
Diese Debatte kann und muß man in einem demokratischen Staat wie dem unseren führen können. Man sollte dabei aber höllisch aufpassen, nicht von Radikalen und Verschwörungsanhängern vereinnahmt zu werden, die ein ganz anderes Süppchen kochen wollen.
Für unser Land, und gerade in Zeiten einer vorsichtigen Öffnung, bedeutet dies alles nichts Gutes.
Die harten Maßnahmen der Bundes- und der Landesregierungen haben Entscheidendes zur Eindämmung des Virus bewirkt, und es war gut und richtig, dabei nicht ausschließlich auf die Vernunft, die Einsicht und eben auch auf die Solidarität der Menschen zu setzen.
Schade ist es nur um die wieder einmal vertanen Chancen, gesellschaftlich und in unserem sozialen Miteinander etwas zum Positiven zu verändern, aber alles hätte eben in weiten Teilen der Bevölkerung nicht funktioniert, wie man nun sehen kann.


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