Ein Tag im Zoo

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1 Monat 2 Wochen her - 1 Monat 6 Tage her #1 von Inge Nölke
Ein Tag im Zoo wurde erstellt von Inge Nölke
Meine Schwägerin rief an, ob ich Lust hätte mit ihnen und den beiden Enkeln (5 und 7 Jahre) zum Zoo zu fahren. Ich würde zeitig abgeholt.
Mit der Uhrzeit, besonders morgens, stehe ich grundsätzlich auf dem Kriegsfuß. Aber bei meiner Familie fühle ich mich immer sehr wohl und bin daher gerne mit ihr zusammen.


Natürlich freue ich mich auf die Kinder.
Vorgestern war ich zwar bei Ihnen, aber wegen des schlechten Wetters konnten wir nicht draussen spielen. Nur zum Grillen waren wir draussen und eine kurze Stippvisite durch den hübschen Garten mit vielen Blumen, Kräutern, Obst, Gemüse usw.
Es ist schön, zu sehen, dass Christas Bemühungen so leckere Früchte tragen. 

Zurück zum Zoo-Tag.
Ich hätte früher aufstehen sollen.

Bereits um viertel vor Zehn wurde ich angerufen: "Ich bin auf dem Weg zum Auto. In einer Viertelstunde hole ich dich ab."
Ich kam grade aus der Dusche.

Dat wird eng. Für Kaffee reicht die Zeit nicht mehr. Zum Glück hatte ich gestern ne Scheibe Brot mehr abgeschnitten und auch geschmiert, damit sie nicht eintrocknet.
Käse un en Blatt Salat drauf, ready. Verhungern werde ich also nicht. Kaffee gibt's im Zoo.
Genug Geld einstecken. Schirm nicht vergessen!
Wat ziehe ich an? Klar: Jeans, Shirt, Weste. Natürlich auch Unterwäsche. Fertig!
Grade wollte ich die Schuhe anziehen und runter gehen, da plärrt meine Klingel. Mein Bruder war schneller.

Zunächst fahren wir zu ihm, Frau und Kinder abholen.
Oje, ich werde wieder mal zwischen die beiden Kindersitze gequetscht. Geht halt nicht anders und genau genommen finde ich es lustig, die Kinder auch. Normal sitzen kann jeder. Hoffentlich habe ich nicht zugenommen, dat passt nämlich haarscharf.
Mein Bruder motzt: "Du bist nicht angeschnallt "
"Ich sitze hier so eingequetscht, da komme ich eh nur schwer raus."
"Schnall dich bitte an!"
Na jut.

Wie komme ich da jetzt dran? Beim letzten Mal hat's geklappt, dann kriegste dat jetzt auch hin. Oder haste doch zujenommen?

Ganz Gentleman fragt der grössere Kleine: "Soll ich dir helfen?"
"Gerne. Kommst du da dran?"
Der Junge schafft das.
(Im Gegensatz zu Frau Merkel. Scherz am Rande.)
Mein Bruder ist zufrieden und fährt los zum Zoo.

Heute wollte ich mich mit Rosie getroffen haben. Nach der Einladung zum Zoo habe ich ihr natürlich abgesagt. Sie berichtete, dass Erdmännchen ihre Lieblingstiere wären. Daher versprach ich, ihnen Grüße von ihr auszurichten.

Weil die pussierlichen Tiere nahe dem Eingang sind, gingen wir direkt bei ihnen vorbei.
 
Bildquellen Inge Nölke
Nachdem ich die versprochenen Grüsse ausgerichtet hatte, gingen wir zu den Bären, die ich leider nicht geknipst habe, obwohl sie fotogen rumturnten. Zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht ahnen, dass der Trip so viel Potential zum Schreiben bietet.
Mir schwebte nur ein beschaulicher Spaziergang im Zoo vor.
Erstens kommt's anders und zweitens, als man denkt.
 

Bei den Elefanten hielten wir uns länger auf. Der kleine spielte Zirkus auf dem runden Stein. Später kuschelte er mit dem Baby-Elefanten.

Wenn ich mich recht erinnere, war da auch ein interessanter Spielplatz, welcher den Kindern natürlich besonders gefiel.
"Achtest du auf den Großen? ich halte den Kleinen im Auge", fragte mein Bruder.

Da waren so ....Kisten, Verschläge, Türme mit vergitterten Verbindungswegen zum Duchkriechen, Spielhäuschen usw. durch welche die Kinder klettern konnten.

Einige Eltern suchten ihre Kinder in den für Erwachsene zu engen, unübersichtlichen Klettergerüsten.


Ich hielt Ausschau nach meinem "Großen". Zu allem Überfluss kommt ausgerechnet jetzt mein Bruder und fragt beunruhigt, wo er ist.
"Ich weiss es nicht genau", sage ich ausweichend. 
"Wo hast Du ihn zuletzt gesehen?"

Er hatte mir gesagt, dass ich an dem Turm warten sollte, weil er da rauskommen will. 

Ich höre ein Kind weinen. Die verzweifelte Mutter versucht mehrmals, in den Turm zu steigen, aus dem das Weinen kommt. Bis ein junger, schlanker Mann das Kind herausholt.

Die Suche nach unserem "Großen" wird intensiver. Langsam mache ich mir Sorgen.
Wenn er nun irgndwo festhängt und verletzt ist.

Quatsch, dann hätte ihn längst jemand gefunden und Bescheid gesagt.

Verdammt, ich habe alles abgesucht und die Übergänge beobachtet. Nix von ihm zu sehen. Das ist doch nicht möglich.
Nochmal gehe ich von einem Turm zum anderen und rufe seinen Namen.
Jetzt keine Panik, der kommt schon wieder. 

Zur Vorsicht erweitere ich den Radius. Bei den Elefanten ist er nicht, auch nicht bei meiner Schwägerin und dem Kleinen.

Dat is doch wohl nicht wahr. Wo ist er?
Ich werde echt nervös.
"Hinten bei den Häuschen hab ich ihn gesehen", meinte mein Bruder.
Ich hab ihn zwar nicht gesehen, aber mir fällt ein Stein vom Herzen.

Eine Weile versuchen wir noch, ihn zu erreichen. Dann beschließt mein Bruder: "Wir gehen jetzt alle langsam weiter. Er wird das sehen und uns folgen."
Hoffentlich!?!

Vielleicht war es nicht unser Junge, den mein Bruder zu sehen glaubte.
Oder ist es für ihn ein Versteckspiel? Er muss sich doch denken, dass wir uns um ihn sorgen.
Was mag in seinem Kopf vorgehen?

Egal, Hauptsache, wir sehen ihn bald gesund und munter wieder.

Langsam, aber sicher entfernen wir uns vom Spielplatz. Besorgt schaue ich mich um. Viele Kinder, aber nicht unser "Großer". Mir ist ganz mulmig zumute.

"Da hinten steht er", kam der erlösende Ruf meines Bruders. Endlich sehe ich ihn und bin total erleichtert.
Dat darf doch nicht wahr sein.
Er hatte sich versteckt und findet das lustig. Boh eh! Dat sehe ich anders, freue mich aber zu sehr, um ihm böse zu sein.


Jetzt aber: gemütlicher Spaziergang und Tiere kucken!
 
 

Zwischendurch werden natürlich auch Hunger und Durst gestillt. Die Kinder scheinen langsam müde zu werden. 
Wir gehen noch durch's Tropenhaus und dann Richtung Ausgang.

Die anderen Familienmitglieder sind schon ausser Sichtweite.

Unser Großer trödelt rum.
Wir sind bereits einige Stunden unterwegs. Der Kleine konnte sich zwischendurch in den Kinderwagen setzen. Der Große ist dafür zu schwer. Der Junge ist groggy.
Ich versuche, ihn zum Weitergehen zu bewegen. Er hängt sich an mich.


""Ich kann dich nicht halten. Wir fallen um!"
Keine Reaktion. Er klammert sich noch fester um mich, sodass ich weder Arme noch Beine bewegen kann.
"Lass mich los! Wir fallen!"
Gesagt, getan.
Wie in Zeitlupe kippen wir um.
Arme und Beine wie gefesselt bin ich machtlos.

Dat kann nich sein!? Ich war entsetzt über meine Hilflosigkeit und dass ich dem Kind nichts entgegenzusetzen hatte. Durch den Sport ist er ganz schön stark.

Jetzt nur nicht auf den Jungen fallen!
Irgendwie habe ich es geschafft, neben ihm zu landen.
Es gab einen Bumms, als ich ohne Schutz meiner umklammwrten Arme auf den Boden aufschlug.

Die Brille ist hin, dachte ich.
Dass sie mein Auge geschützt hatte, erkannte ich erst später.

Unbeschadet stand unser Junge auf. Das war das Wichtigste.

Ich war so perplex über das Geschehene, dass ich zunächst einfach liegen blieb. Die Situation fühlte sich unrealistisch an, wie im falschen Film.
Gut, dass mein Bruder das nicht mitbekommen hat.


Shit happens!
Steh auf und geh weiter!
Ein nettes Paar kam mir zur Hilfe.
Zwar ein wenig wackelig, aber ich stand alleine auf.
Der Schock saß tief.


Das Kind war ganz ruhig und ging mit mir zum Ausgang.
Meine lädiert Brille hatte ich notdürftig zurechtgebogen. Sie saß schief auf meiner Nase.
Egal. Es ist nichts Schlimmes passiert.

"Wo bleibt ihr?" werden wir empfangen.
Ehe ich es verhindern kann, sprudelt der Kleine los, wahrheitsgemäss, dass wir gefallen sind.

Verdammt, naja, et is ja nix passiert.

"Warum hast du ihm das nicht verboten?" sagt mein Bruder vorwurfsvoll und sicher auch besorgt.

Wenn dat möglich gewesen wäre, hätte ich dat gemacht, dachte ich, bleibe aber ruhig.
Wir gehen noch ins Aquarium.

Auf die Fragen, wie es mir geht, antwortete ich mit "gut"; war nicht direkt gelogen, aber auch nicht ganz die Wahrheit.
Mein Gesicht brannte, die Gelenke schmerzten, wahrscheinlich, weil ich mch verkrampft hatte, die Knie waren aufgeschrammt wie in alten Zeiten, mein Nacken schmerzt. Ich dachte an ein Schleudertrauma.
Mit der schiefen, verkrazten Brille kann ich nicht richtig sehen. Mir tat der Kopf etwas weh.
Trotzdem halte ich mich tapfer und lasse mir nichts anmerken, um niemanden zu beunruhigen, mich auch nicht.

Zudem ist glücklicherweise nichts Ernsthaftes passiert, was den schönen, interessanten Ausflug trüben könnte. Schließlich freue ich mich darauf, beim nächsten Mal wieder mitzufahren.

Montag war ich im allseits bekannten Brillengeschäft.
Meine vorherige Brille war einer ähnlichen Attacke zum Opfer gefallen, deswegwn hatte ich keine vernünftige Ersatzbrille.

Mittlerweile sah meine linke Gesichtshälfte und das Auge ringsum blau aus, als hätte ich Prügel bekommen. 
Deswegen hatten die netten Mädels möglicherweise Mitleid mit mir!?
Alle Mitarbeiter waren trotz reichlich Betrieb im Laden sehr zuvorkommend.

Das Richten meiner Brille war nicht mehr nöglich. Diese Brille schützte beim Sturz mein Auge, ich hatte sie letztes Jahr hier gekauft.
Als Ersatz gab man mir eine neue Brille, wofür die Gläser auch noch umgeschliffen werden mussten und das alles kostenfrei.
Das fand ich supernett. Danke! 


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